Jetzt ham wa den Salat!

Satirische Texte und Lieder von und mit Wolfgang Reuter

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Krieg spielen
Da sitzt er, der Bengel, mit glühenden Ohren,
total konzentriert, und spielt virtuell Krieg.
„game over“, so liest er. – Schon wieder verloren!
Vielleicht bringt die nächste Partie einen Sieg?

Er prüft noch einmal das Depot seiner Waffen.
Dann ballert er los: Nur noch Mord und Zerstörn!
Er will heute einmal es wenigstens schaffen.
Denn Krieg spielt er gern.


Der Opa tritt ein und beginnt gleich zu fluchen:
„Du spielst ja schon wieder den furchtbaren Mist!
Kannst du nicht ein friedliches Spiel mal versuchen,
wo nicht Mord und Totschlag nur angesagt ist?“

„Ach, Opa“, sagt darauf der Bengel ganz locker,
„nun guck dir mal an, wie mein Kampfwert schon stieg!
Ich bin nicht gern grausam, ich bin nur ein Zocker –
ich spiel doch nur Krieg.“


„Ach, Krieg spielst du?“, fragt ihn der Opa bedächtig.
„Da kann ich dir helfen, ich weiß noch, wie's war.
Wir lebten in Trümmern und hungerten mächtig.
Und dröhnte ein Flugzeug, dann hieß das: Gefahr!

Und täglich, wenn Post kam, da ging es uns allen
sehr schlecht – auch wenn jeder die Ängste verschwieg.
Dann kam dieser Brief: Vater sei nun gefallen.
So war das im Krieg.


Wo bleiben denn in deinem Spiel Bäckereien,
die gar nichts mehr backen? – Sie haben kein Mehl.
Wo bleiben die Kinder, die weinen und schreien?
Wo bleibt denn der Evakuierungs-Befehl?

Und wo sind die Keller, die Bombenschutz gaben,
wo mit jeder Bombe das Risiko stieg?
Wenn's krachte, dann warst du lebendig begraben!
So ist das im Krieg.


Und so etwas spielst du gern? – Kein gutes Zeichen!
Na gut, dir geht’s nur um den Meisterschafts-Kick.
Du hoffst, einen neuen Rekord zu erreichen.
Da wünsch ich Dir für deinen Sieg recht viel Glück.

Im Krieg ist der kleine Mann niemals der Sieger.
Er gibt stets sein Leben hin – millionenfach.
Was soll's? – Nächstes Jahr bist du sicher schon klüger. –
Und jetzt spieln wir Schach!“
Wolfgang Reuter, 16.07.2009
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